Hitzige Debatte zum Dualen Ausbildungssystem Wirtschaft und Politik diskutierten -"II. Parlamentarischen Abend der Wirtschaft" Bereits zum zweiten Mal kamen zahlreiche Bundes- und Landtagsabgeordnete mit Vertretern der Wirtschaft zusammen, um beim "Parlamentarischen Abend der Wirtschaft" brandaktuelle Fragen zu diskutieren. Thema der diesjährigen Veranstaltung im Großen Saal der Handwerkskammer Lüneburg-Stade war die Zukunft des Dualen Ausbildungssystems. Im Namen der Veranstalter - beteiligt waren der Einzelhandelsverband Lüneburger Heide e.V., der DEHOGA-Bezirksverband Lüneburg, der Tourismusverband Lüneburger Heide e.V., der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen e.V., der Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen e.V., die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg und die Handwerkskammer Lüneburg-Stade - machte Handwerkskammerpräsident Gernot Schmidt einleitend die Position der Wirtschaft deutlich.
Berufsausbildung nicht zersplittern Im Hinblick auf das Gesetzgebungsverfahren zur Novellierung des Berufsbildungsrechts sprach er sich dabei u.a. deutlich gegen eine generelle Zulassung von Absolventen rein schulischer Ausbildungsgänge zu den Kammerprüfungen aus und warnte vor einer Verschulung der Berufsausbildung. Der Forderung der Länder, die Kompetenz für die betriebliche Bildung zu erlangen, erteilte er eine klare Absage. Andernfalls drohe eine Zersplitterung des Berufsbildungssystems. "Mehr Bürokratie, erhöhte Kosten, weniger Mobilität und Transparenz - dieser Weg kann gewiss nicht der richtige sein", brachte Schmidt die Bedenken der Wirtschaft auf den Punkt. Gleichwohl betonte er, daß man für eine Modernisierung und Erweiterung des bestehenden Systems sei. Die Ausbildung müsse flexibler, kostengünstiger und unternehmensbezogener werden. Konkret werden Qualitätsverbesserungen im allgemeinen Bildungswesen, mehr Flexibilität bei den Ausbildungsvergütungen, eine Beschleunigung der Verfahren zur Schaffung und Neuordnung von Ausbildungsberufen gefordert.
Duales System erfolgreich, aber... Die vier Sprecher der Parteien, die von den Fraktionen benannt worden waren, gaben nach den Worten des Kammerpräsidenten zunächst ein kurzes Statement ab, bevor Christoph Steiner, Chefredakteur der Lüneburger Landeszeitung, die Diskussion eröffnete und das Publikum mit einbezog. Dabei waren sich die Politiker in einem Punkt einig: Das Duale Ausbildungssystem ist Erfolgsmodell und Markenzeichen von Deutschland. Uneinig war man allerdings in der Frage, wie die Zukunft des Systems gestaltet werden soll. Während sich Bernd Althusmann, Landtagsabgeordneter und Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU, mit den Worten "mir ist lieber, ich habe einen Jugendlichen in der Ausbildung als auf der Straße" gegen die starren Tarifverträge aussprach, hielt die SPD daran fest. Außerdem befürwortete die SPD eine einheitliche Ausbildungsordnung und war generell gegen die Erprobung neuer Ausbildungsberufe auf Länderebene. "Die Schüler sind keine Versuchskaninchen", unterstrich der Landtagsabgeordnete Manfred Nahrstedt den Parteistandpunkt, während FDP und CDU die Meinung vertraten, daß bestimmte Kompetenzen bei den Ländern besser aufgehoben seien.
Insgesamt forderte die FDP ein modulares und flexibleres System. "Soviel Praxis wie möglich, so viel Schule wie nötig. Soviel Eigeninitiative wie möglich, so viel staatliche Unterstützung wie nötig", brachte Landtagsabgeordnete und Landtagsvizepräsidentin Ulrike Kuhlo die Ansichten ihrer Partei auf den Punkt. Die Grünen, vertreten durch den Landtagsabgeordneten Andreas Meihsies, wollen indes von der Wirtschaft mehr einfordern, damit sich mehr Betriebe als bisher an der Ausbildung junger Menschen beteiligen. Bezogen auf Niedersachen machte er den Standpunkt der Grünen deutlich: "Die Berufsbildenden Schulen liegen am Tropf der Kommunen und hier werden Gelder gestrichen - das ist der falsche Weg."
In seinem Ausblick appellierte Norbert Bünten, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, noch einmal: "Es gilt, das Duale Ausbildungssystem weiterzuentwickeln, ohne es in seinem Kern zu beschädigen." Daß ein hartes Thema in so kurzer Zeit nicht weichgeklopft werden kann, wurde schnell deutlich, und so gingen die Diskussionen auch nach der offiziellen Veranstaltung weiter.
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update Gunther Zimmermann 18.02.10
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