Bezirksgruppe
Lüneburg-Wolfsburg
Aktuell

Gespräche am Runden Tisch

Die traditionellen „Gespräche am Runden Tisch“ mit Behördenvertretern fanden in diesem Jahr am 16. November 2007 im „Haus am Landtagsplatz“ in Hösseringen statt. Hubertus Kobernuß konnte erstmals als Bezirksvorsitzender die zahlreiche Gäste von den Polizeidirektionen Braunschweig und Lüneburg, den Gewerbeaufsichtsämtern Celle und Lüneburg, der IHK Lüneburg-Wolfsburg, der Straßenverkehrsämter der Landkreise Celle, Harburg, Soltau und Fallingbostel sowie Kollegen aus allen Fachgruppen begrüßen.

Berufskraftfahrer – ein aussterbender Beruf?
In seinem Vortrag zeigte Landesgeschäftsführer Peter Heigl die vielfältigen Ursachen auf. Die teilweise widrigen Arbeitsbedingungen hätten viele Ursachen. Auf der Straße seien diese z.B. in hohem Verkehrsaufkommen, Staus oder häufigen Kontrollen begründet. Bei den Kunden kämen häufig Wartezeiten oder Schikanen hinzu, abgesehen von Zeitdruck oder Be- und Entladetätigkeiten. Lange Abwesenheitszeiten von zu Hause oder Nacht- und Wochenendarbeit seien andere Aspekte. Die im Verhältnis zur Abwesenheitszeit geringe Entlohnung trage ebenso wie das Risiko des Führerscheinverlustes zu der geringen Attraktivität des Berufes bei. Als weitere Ursachen kämen die geringe Ausbildungsbereitschaft der Betriebe, die geringeren Ausbildungszahlen der Bundeswehr, die Reduzierung der Fahrereinsatzzeiten durch die geänderte Rechtslage und der gestiegene Bedarf durch höhere Auslastung und Vergrößerung von Fuhrparks hinzu. Der Fahrermangel führe, so Heigl, zu Dispositionsproblemen bzw. -engpässen bis hin zum Fahrzeugstillstand. Es seien Betriebe bekannt, die die Anschaffung zusätzliche Fahrzeuge vom Vorhandensein weiterer Fahrer abhängig machten. Diese Situation führe zu Abwerbung von Fahrern und zu einer hohen Fluktuation in Betrieben. Zusätzlich müßten höhere Kosten für Fahrersuche und Ausbildung eingeplant werden. Das Gewerbe selbst müsse die Ausbildung verstärkt aufnehmen, aber auch mit innerbetrieblicher Weiterbildung oder Spezialisierung die Attraktivität der Tätigkeit erhöhen.

Ein gutes Beispiel hierfür zeigte Edith Bischof auf. Im Landkreis Gifhorn seien bei dem Projekt  „Vorfahrt“ Frauen in Zusammenarbeit von VW Coaching, dem Bildungswerk Verkehrsgewerbe und Busunternehmen zu Kraftfahrerinnen umgeschult worden. Zwischenzeitlich seien 60 Frauen qualifiziert, ein Großteil davon wäre heute in festen Arbeitsverhältnissen.

Busstop = Sicherheit
Edith Bischof informierte in ihrem Referat über die Aktion Busstop des BDO. Gemeinsam wolle man mit dieser Aktion für mehr Sicherheit im Schülerverkehr sorgen. Hierfür werde Pädagogen auf der Internetseite www.busstop.de kostenlos Material zur Verfügung gestellt, um den Verkehrsunterricht abwechselungsreich zu gestalten. Ein Baustein dafür sei die Mobilitätserziehung. Hier seien grundsätzliche Überlegungen zur Sicherheit auf dem Schulweg, angefangen vom Weg zur Haltestelle über die Fahrt im Schulbus bis hin zu besonderen Verkehrssituationen, wie Abbiegeverhalten der Busse und dem toten Winkel zu finden. Aufbauend auf diesen Überlegungen seien für jeden Gefahrenpunkt didaktische Vorschläge und Arbeitsmaterialien zur Behandlung dieser Situationen im Verkehrsunterricht entwickelt worden. Gerade das Thema „Toter Winkel“ sei wirkungsvoll für die Kinder durch die Stellung eines Busses zu demonstrieren. Hier könnten Kinder durch praktische Anwendung diesen Bereich „selbst erarbeiten“ und hätten anschließend mehr Verständnis dafür. Auch andere Fragen rund um das Thema Schulbus seien auf dem Portal zu finden, so seien hier  Rechtsgrundlagen, Organisation, Haltestellengestaltung oder Verkehrsmittelwahl zu finden. Vergleiche zu Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes über Jahrzehnte zeigten auf, daß der Bus das sicherste Verkehrsmittel sei und der Trend eine weitere Abnahme der Unfälle mit Bussen von Jahr zu Jahr aufzeige.

Feinstaubverordnung – Ein Plus für die Umwelt?
In seinem Vortrag setzte sich Bezirksgeschäftsführer Werner Tangermann kritisch mit der Feinstaubverordnung auseinander. Bei Überschreitung von 50 Mikrogramm Feinstaub an über 35 Tagen im Jahr müsse eine Umweltzone eingerichtet werden, die grundsätzlich für alle gewerblichen und privaten Fahrzeuge gelte. Ausnahmen seien nur für Polizei, Feuerwehr, Rettungswagen, selbstfahrende Arbeitsmaschinen usw. vorgesehen, selbst für Anlieger gebe es keine automatische Ausnahme. Glücklicherweise sei in Niedersachsen eine erträgliche Umsetzung der Feinstaubrichtlinie erfolgt. In Braunschweig habe die Wirtschaft – überraschenderweise mit Umweltverbänden vereint – die Einführung einer Umweltzone verhindert. In Hannover sei es gelungen, den ÖPNV bzw. die Reisebusse ohne bürokratische Ausnahmegenehmigung in die Umweltzone einfahren zu lassen. Für den regionalen Güterverkehr seien zahlreiche Ausnahmen aufgenommen worden. Die Ankündigung einiger anderer Städte hingegen, großzügig Ausnahmegenehmigungen, natürlich gegen hohe Gebühren, zu erteilen, könne nicht als Umweltbewußtsein, sondern nur als Abzocke gewertet werden. Bereits heute seien in Deutschland 70 Strecken wegen angeblicher Mautflucht, wegen Lärmbelästigung oder Feinstaubbelastung gesperrt. Umweg- und damit Mehrkilometer schadeten dem globalen Klima aber sicher – egal ob sie auf gesperrten oder freien Strecken anfielen. Zusammengefaßt könne die Feinstaubverordnung vielleicht ein Plus für die Anwohner besonders belasteter Straßen sein, ein Plus für die Umwelt ergebe sich daraus nicht.

Die rege Diskussion zu den Themen und viele Gespräche nach Ende des offiziellen Teils zeigten aus, daß dieser Meinungsaustausch zwischen Behördenvertretern und Unternehmer Anklang findet und das Verständnis fördert.




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update Gunther Zimmermann 18.02.10