Bezirksgruppe
Lüneburg-Wolfsburg
Aktuell

Lkw-Blokaden – spanische Verhältnisse auch in Deutschland denkbar?
Verkehrsunternehmer aus der Region Lüneburg-Uelzen-Wolfsburg treffen sich in Uelzen

„Die Frage ist nicht, wie wir über den Winter kommen, sondern ob wir den Sommer überstehen“, so kennzeichnete ein Unternehmer am 11. Juni 2008 in der Stadthalle Uelzen die Situation. Dort trafen sich auf Einladung des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) mehr als 60 Unternehmer zu einer Krisensitzung über Konsequenzen der Explosion der Treibstoffkosten.

Der Vorsitzende der GVN-Bezirksgruppe Lüneburg-Wolfsburg, Hubertus Kobernuss (Spedition Kobernuss, Uelzen), berichtete über zahlreiche Gespräche mit Kollegen. Im Verkehrsgewerbe seien die Betriebsergebnisse zum Teil existenzgefährdend eingebrochen. Auf die Unternehmer sei in den vergangenen zwei Jahren eine Kostenwelle zugerollt, die längst nicht in den Preisen weitergegeben werden konnte. So sei der Dieselpreis selbst für Großverbraucher von Mai 2007 bis Mai 2008 um 33 Prozent gestiegen. Für sein Unternehmen bedeute dies jeden Monat 70.000 Euro Zusatzkosten allein für Diesel. Hinzu kämen die starren Auslegungen der Arbeitszeiten sowie der Lenk- und Ruhezeiten, die nicht nur durch Beschränkungen, sondern auch durch mangelnde Flexibilität und Verschlechterungen bei den Fahrzeugumläufen zusätzliche Kosten auslösten. Der digitale Tacho schlage sich mit erheblichen Mehrkosten beispielsweise im Verwaltungsaufwand und Schulung der Mitarbeiter nieder. Angesichts der Parkplatznot auf deutschen Autobahnen sei es den Disponenten und Kraftfahrern praktisch nicht mehr möglich, die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten zu garantieren. Die damit verbundenen Bußgelder könnten jedes Unternehmen binnen kürzester Zeit in die Insolvenz treiben. „Hinzu kommen die langen Wartezeiten an den Rampen, die nicht nur Lenkzeiten der Fahrer, sondern ganze Tourenpläne zerschießen. Außerdem ist dies unsozial gegenüber den Fahrern, weil diese dadurch ihre Freizeiten nicht zu Hause sondern auf Parkplätzen oder vor Lagerhallen verbringen müssen“, prangerte Kobernuss an.

GVN-Hauptgeschäftsführer Bernward Franzky wies auf einige Signale hin, die zeigten, wie brenzlig die Situation im Verkehrsgewerbe mittlerweile ist. So würden reihenweise Tankkreditkarten platzen und bei der Mautabrechnung sei es nicht anders. Die Unternehmer vor Ort könnten eine aktive und wichtige Rolle spielen, indem sie den Bundestagsabgeordneten die Situation schildern, und zwar immer wieder. Die müßten begreifen, was es für ihren Wahlkreis für ihre Wähler bedeutet, wenn das mittelständische Verkehrsgewerbe wegbricht. Kritisiert wurde auch, daß Unternehmer nicht nur unter den stark steigenden Kosten leiden, immer mehr bürokratischer Aufwand enge die betrieblichen Aktionsspielräume ein.


Deutlich wurde auf der Sitzung in Uelzen, daß immer noch zu viele Verlader sich weigern, die gestiegenen Kosten auch in Form höherer Frachtpreise zu akzeptieren. Sie setzen offensichtlich auf Zeit. Dies wird sich allerdings nach Einschätzung von GVN-Hauptgeschäftsführer Bernward Franzky schon bald ändern. Entweder, die Auftraggeber akzeptierten die höheren Frachtkosten oder aber Verkehrsunternehmen werden reihenweise in Insolvenz gehen. „Dann werden Verlader dankbar sein, wenn sie noch einen Transportunternehmer mit freien Kapazitäten finden und werden ihm angemessene Preise zahlen“, so Franzky wörtlich.

Diskutiert wurden auch die Blockaden in Spanien oder Frankreich. In diesem Zusammenhang warnte GVN-Bezirksvorsitzender Kobernuß allerdings davor, die Situation in Deutschland falsch einzuschätzen. Noch gebe es keine Demonstrationen und Blockaden. Endgültig kippen könnte die Stimmung bei den Verkehrsunternehmern Anfang 2009, falls die von Bundesverkehrsminister Tiefensee geplante Mauterhöhung um 50 bis 100 Prozent umgesetzt wird. In diesem Fall würden selbst modernste Fahrzeuge der Schadstoffklassen Euro 5 und EEV (besonders schadstoffarm) mit 48 Prozent höheren Mautkosten belastet. Dies entspräche einer Dieselpreissteigerung um 18 Cent pro Liter bei Euro 5 oder EEV-Fahrzeugen. „Investitionen in umweltfreundliche Technik würde also bestraft“, so Kobernuss wörtlich. Für Fahrzeuge der Klasse Euro 2 würde der Mautsatz mehr als verdoppelt, was einer Dieselpreiserhöhung um 37 Cent entspräche. Spätestens dann dürfte nach Einschätzung des GVN die immer noch erstaunlich robuste Konjunktur in Deutschland kippen. Die Lkw-Hersteller verzeichneten bereits drastische Einbrüche bei den Fahrzeugbestellungen.

Abschließend stellte Kobernuß fest, daß es nicht Aufgabe des Verkehrsgewerbes sei, die Auftraggeber zu subventionieren. Die erbrachte Leistung sei gut und insofern habe man auch Anspruch auf ein angemessenes und faires Entgelt. Im Übrigen könnten die Verlader ihrerseits dazu beitragen, daß Touren optimiert werden können. Erhebliche Verbesserungspotentiale gäbe es beispielsweise bei den Standzeiten vor den Rampen.




| Aktuell | Kontakt | Über uns | Vorstände |

update Gunther Zimmermann 18.02.10